Nach Verkauf des Paderborner Möbelunternehmens

Finke-Mitarbeiter in Fuldabrück bangen um ihre Zukunft

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Das Möbelhaus Finke in Fuldabrück-Bergshausen vor den Toren Kassels

Die 160 Beschäftigten des Möbelhauses Finke in Fuldabrück blicken sorgenvoll in die Zukunft, nachdem der Paderborner Einrichtungsfilialist an den Branchenriesen Höffner verkauft worden ist.

Aktualisiert am 8. November, 9.58 Uhr -Zwar hatten die neuen Eigentümer im Zuge der Übernahme mitgeteilt, dass die Kasseler Filiale in Fuldabrück-Bergshausen zu den Standorten gehöre, die erhalten werden sollten. Bei einer Mitarbeiterversammlung vor ein paar Tagen klang das aber keineswegs so sicher.

Vertreter der Höffner-Gruppe hätten dabei signalisiert, dass man zunächst die kommenden Geschäftsmonate beobachten wolle, bevor endgültig über einen Weiterbetrieb auf Dauer entschieden werde, teilte die Gewerkschaft Verdi gegenüber der HNA mit. Ein Berater der Höffner-Inhaberfamilie Krieger wollte dazu auf HNA-Anfrage nicht Stellung nehmen. Er verwies auf die genannte Pressemitteilung vom Montag: „Darüber hinaus gibt es momentan nichts zu sagen.“

Verdi-Sekretär Manuel Sauer äußerte die Befürchtung, die unklare Lage bei Finke könne von den neuen Eigentümern genutzt werden, um Einzelgespräche mit den Beschäftigten über Gehaltseinbußen zu führen. Schon heute werde bei Finke unter Tarif bezahlt, sagte Sauer; dabei sei das Fuldabrücker Möbelhaus eine der ertragreichsten Finke-Filialen. „Daher erwarten wir von der Höffner-Gruppe, dass alle Kasseler Mitarbeiter zu den bisherigen Konditionen auf Dauer weiterbeschäftigt werden.“

Höffner-Inhaber Kurt Krieger hat bereits klargemacht, dass es bei Finke zu harten Einschnitten kommen werde. Fehler der bisherigen Konzernleitung hätten das Möbelunternehmen zum Sanierungsfall gemacht. Die Schließung des Paderborner Haupthauses Mitte 2019 ist bereits ausgemacht, auch die Filialen in Erfurt und Jena stehen zur Disposition. Bei dem 1995 eröffneten Finke-Haus in Fuldabrück mit gut 30 000 Quadratmetern Fläche gibt es gebäudetechnisch einen erheblichen Investitionsstau. Weitere Finke-Standorte gibt es noch in Hamm und in Münster.

Finke Kassel: Preisrebell im Verkaufspaket

Im Industriepark Kassel-Waldau gehört auch die Filiale des Möbeldiscounters „Preisrebell“ zur Finke-Gruppe und somit zum Verkaufspaket. 50 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Zur Zukunft der fünf Preisrebell-Häuser – weitere gibt es in Paderborn, Erfurt, Beckum und Münster – haben sich die neuen Eigentümer um den Berliner Möbel-Milliardär Krieger bislang nicht geäußert. Nach Angaben von Gewerkschafter Sauer wird im Unternehmen aber bereits kommuniziert, dass die Preisrebell-Häuser mit dem Wohndiscounter Sconto vereinigt werden sollten, der zu Kriegers Höffner-Konzern gehört.

Für die bisher zur Finke-Gruppe gehörenden Einrichtungshäuser gibt es laut Verdi inzwischen keinen Gesamtbetriebsrat mehr, der die anstehende Sanierung auf Arbeitnehmerseite begleiten könnte. Alle Filialen seien in separate Firmen übertragen worden, für die jeweils nur noch ein Standort-Betriebsrat die Belange der Beschäftigten vertritt.

Unterdessen hat die expandierende Kasseler Traditionsfirma Möbel Schaumann mitgeteilt, sie wolle wechselwillige Finke-Mitarbeiter gern übernehmen.

Finke Möbelhaus in Paderborn schließt und wird abgerissen

Nach der Übernahme der Möbelhaus-Gruppe Finke durch Höffner soll das Stammhaus in Paderborn Mitte 2019 geschlossen werden. Die riesige Verkaufsfläche von 42.000 Quadratmetern wird dann endgültig verschwinden: Das Möbelhaus wird abgerissen. Ein halbes Jahr später wird auch die Verwaltung in Paderborn aufgelöst. Betroffen sind 340 der insgesamt 1600 Mitarbeiter der Gruppe.

Zugleich erklärte das Unternehmen zu den übrigen drei Standorten: „Die Filialen in Münster, Hamm und Kassel sowie die Logistik in Paderborn sollen erhalten und künftig aus der Zentral-Verwaltung in Berlin geführt werden“, teilte Höffner-Inhaber Kurt Krieger mit. Gemeint ist die Finke-Filiale in Fuldabrück bei Kassel. Das heißt also: Finke im Landkreis Kassel bleibt erst einmal so erhalten, wie es die Kunden kennen. Zur „Preisrebell“-Filiale in Kassel machte das Unternehmen auf Nachfrage bisher keine Angaben.

Pressestimme: Das schreibt die "Neue Westfälische" (Bielefeld) zur Schließung

"Vor wenigen Jahren noch unter den Top-10 der deutschen Möbelhändler hat es die Paderborner Finke-Gruppe jetzt endgültig erwischt: Nach der Übernahme durch Konkurrent Höffner kommt die Sanierung mit der Abrissbirne. Riesige 42.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, das größte Möbelhaus in OWL, verschwinden nächstes Jahr im Nichts. Unglaublich, zumal für Paderborn, wo Finke noch immer die Marke für Möbel ist. Mag sein, dass die finanziellen Probleme bei Finke hausgemacht sind. Mag auch sein, dass andere rentabler wirtschaften. Dennoch schrieb Finke, der vor genau 50 Jahren in die Firma seines Vaters eintrat, über Jahrzehnte eine beachtliche Erfolgsstory ...."

Finke schließt: Sozialpläne für alle Häuser

Auch an den übrigen Standorten seien „umfangreiche Maßnahmen“ nötig, meldet das Unternehmen: „Finke hat deutlich zu hohe Kosten und ist auch deshalb nicht wettbewerbsfähig“, so das harte Urteil Kriegers. Deshalb werden in den verbleibenden Häusern ähnlich wie in Paderborn Sozialpläne für die „nötigen Anpassungen“ erarbeitet. Genaueres teilte das Unternehmen nicht mit. Gewerkschaft und Betriebsrat zeigten sich überrascht. "Davon hat bei der Übernahme keiner gesprochen", sagte eine Verdi-Sprecherin und nannte das Vorgehen "mies".

Möbel Finke: Unternehmen aus Verlustzone holen

Ziel, so heißt es in der Erklärung, sei es, Finke dauerhaft aus der Verlustzone zu holen und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern. Alternativen zu seinem Kurs sieht Krieger nicht: „Finke verliert jeden Tag Geld. Und der Wettbewerb wird immer härter. Schon lange macht das Unternehmen operative Verluste, die seinen Bestand ernsthaft gefährden. Die Gründe dafür liegen in der Vergangenheit und sind nicht mehr zu ändern.“ Dennoch versicherte Krieger, dass er das Unternehmen retten wolle. Nach eigenen Angaben erwirtschaftete Finke zuletzt rund 300 Millionen Euro Umsatz.

Höffner übernimmt Finke

Höffner beschäftigt 6000 Mitarbeiter, der Umsatz des Unternehmens beträgt über zwei Milliarden Euro. Mit 19 Einrichtungszentren und sechs Zentrallagern gehört Höffner zu den Großen der Branche. Es ist Teil der Kurt Kriegers KHG Gruppe in Berlin. 

Finke und Höffner waren bisher Kooperationspartner gewesen und pflegten eine Einkaufspartnerschaft. Mit der Übernahme will Höffner die eigene Gruppe stärken. 

Finke verkauft - die Geschichte des Unternehmens

Finke beschäftigt insgesamt 1600 Mitarbeiter, der Umsatz liegt bei rund 300 Millionen Euro. Gegründet wurde das Unternehmen 1959 in Paderborn von Franz Finke, dem Vater des jetzigen Besitzers Wilfried Finke, der die Geschäftsleitung 1978 übernahm. 

Das zweite Finke-Möbelhaus wurde 1993 in Erfurt eröffnet. 1995 entstand ein drittes in Kassel. Mittlerweile gehören zu Finke sieben Einrichtungshäuser, sieben Wohndiscounter sowie ein Küchenfachmarkt. 

Finke: Liste der Kaufhäuser

Diese Kaufhäuser gehören zu Finke:

Name

Ort

Typ des Hauses

Finke Erfurt

Erfurt

Einrichtungshaus

Finke Hamm

Hamm

Einrichtungshaus

Finke Jena

Jena

Einrichtungshaus

Finke Kassel

Kassel

Einrichtungshaus

Finke Münster

Münster

Einrichtungshaus

Finke Paderborn

Paderborn

Einrichtungshaus

XARA

Paderborn

Küchenfachmarkt

Preis-Rebell

Kassel

Wohndiscounter

Preis-Rebell

Paderborn

Wohndiscounter

Preis-Rebell

Erfurt

Wohndiscounter

Preis-Rebell

Beckum

Wohndiscounter

Preis-Rebell

Münster

Wohndiscounter

Carré

Hamm

Junges Wohnen

Von Johannes Dröge, Gregory Dauber und Rebekka Knoll

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