AfD-Politiker Werl: "Habe bei Germania nichts Unanständiges gehört"

Neonazi-Anwalt redet bei Kasseler Burschenschaft Germania

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Burschenschaftsmitglieder bei einem Treffen auf der Wartburg in Eisenach. 

Bei der Kasseler Burschenschaft Germania haben schon mehrfach Holocaust-Leugner geredet. Nun hat sie den Neonazi-Anwalt Björn Clemens eingeladen. Wer sind diese Studenten?

Wenn Neonazis vor Gericht stehen, suchen sie gern bei Björn Clemens Rat. Das war im März auch im Münchner NSU-Prozess der Fall, als der angeklagte Rechtsextremist André Eminger den Antrag stellte, einen dritten Pflichtverteidiger zu bekommen. Der enge Vertraute von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt wollte gern Clemens an seiner Seite haben. Doch Richter Manfred Götzl lehnte das Ansinnen ab.

Es wäre der bislang spektakulärste Fall des Düsseldorfer Juristen gewesen, der seit Jahren im Umfeld des deutschen Rechtsextremismus aktiv ist. Wahrscheinlich ist man auch deshalb bei der Kasseler Burschenschaft Germania so gespannt auf seinen Besuch in Nordhessen. Am 17. November wird Clemens im Haus der Burschenschaftler in der Wolfsangerstraße 98 reden. In der Facebook-Ankündigung heißt es: "Auf Grund der zu erwartenden hohen Teilnehmerzahl, begrüßen wir weitere Vorabanmeldung."

Wer sind diese Germania-Burschenschaftler, die einen der wichtigsten deutschen Neonazi-Anwälte zu sich einladen? Unsere Fragen wollten sie weder am Telefon noch schriftlich beantworten. Auch sonst taucht die Vereinigung in der Öffentlichkeit kaum auf. In der Vergangenheit redeten bei Germania schon die Holocaust-Leugner Jürgen Rieger und Horst Mahler. Vor vier Jahren demonstrierte ein linkes Bündnis gegen die Burschenschaft, das Verbindungsheim im Stadtteil Wolfsanger wurde mit Teerfarbe beworfen.

Jemand, der Näheres über Germania wissen müsste, ist der Kasseler AfD-Politiker Michael Werl. Bis vor drei Jahren besuchte der Stadtverordnete Veranstaltungen der Burschenschaft. Es sei jedoch immer alles gesittet zugegangen. "Niemand hat Dinge gesagt, die unanständig waren", erinnert sich Werl. Neonazis habe er dort nicht getroffen.

Zumindest mit alten Nazis scheinen die Burschenschaftler keine Probleme zu haben. Bei Facebook posteten sie zuletzt den Satz: "Wer seinem Volke so die Treue hielt, soll selbst in Treue nie vergessen sein." Dazu gab es den Hinweis: "Verfasser unbekannt." Der Verfasser ist Adolf Hitler. Mittlerweile ist der Eintrag gelöscht.

AfD-Politiker Werl weiß von alldem nichts. Noch 2015 habe er sich von der Burschenschaft abgewendet: "Ich habe gemerkt, dass das nichts für mich ist - wegen der vielen Verpflichtungen."

Auch Anwalt Clemens hat viele Verpflichtungen. Der Anwalt, der in Marburg studiert und 2005 über den "Begriff des Angriffskrieges und die Funktion seiner Strafbarkeit" promovierte, war einst stellvertretender Bundesvorsitzender der Republikaner, die Anfang der 80er- und Ende der 90er-Jahre ihre größten Erfolge feierte. Anders als der Vorsitzende Rolf Schlierer wollte Clemens die Partei für die so genannte "Volksfront von rechts" öffnen. Damit scheiterte er jedoch. 

Mittlerweile ist er Vorstandsmitglied der Gesellschaft für freie Publizistik (GFP), die der Verfassungsschutz die "größte rechtsextreme Kulturvereinigung in Deutschland" nennt. Gegründet wurde sie 1960 von ehemaligen NSDAP- und SS-Mitgliedern. Ihr Ziel ist es, "sich für die Freiheit und Wahrheit des Wortes einzusetzen", die der politischen Korrektheit geopfert worden sei. In der Vergangenheit haben GFP-Mitglieder unter anderem den Holocaust und die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg infrage gestellt. 

Anwalt Clemens ist dagegen feinsinniger. Er schreibt Gedichte über das geliebte Vaterland. In "Schwarz, Rot, Gold" etwa heißt es: "Gold ist der Strahl, wenn Deutschland erwacht." Außerdem hat er einen "deutschen Justizroman" geschrieben. In "Pascal Ormunait" geht es um einen Abiturienten, dessen Opa von "jugendlichen Intensivtätern mit Migrationshintergrund" misshandelt wird und stirbt. Er selbst bekommt die "brutalen Tritte einer türkischen Jugendgang ab". Das Buch wird unter anderem mit der Empfehlung beworben, dass "Rechte es lesen werden, weil sie wissen wollen, was dabei herauskommt, wenn einer der wenigen nach 1945 geborenen Schöngeister, die sich nicht dem Linksextremismus verpflichtet fühlen, zur Feder greift".

Weniger schöngeistig ist ein anderer Facebook-Post der Kasseler Burschenschaft. Über das Bild einer halbnackten Blondine, die ein Schwert schwingt, vermeldet Germania: "Tradition ist sexy - Werde aktiv."

Zum Thema: Rechter Vordenker: Dieser Northeimer Lehrer hat die AfD stark gemacht

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