Schulkinder mehrfach angegriffen

Kasseler Hund als gefährlich eingestuft: Darum wird er nicht eingeschläfert

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Möchte man solch einem Hund in die Augen schauen? Ein ähnlicher Dobermann-Mischling fiel in Kassel zweimal Kinder an.

Der Dobermann-Mischling, der im August zweimal Grundschüler in Kassel angegriffen hat, ist durch einen Wesenstest gefallen. Welche Folgen hat das für das Tier?

Aktualisiert am 8. November um 15.20 Uhr:

Die Hündin ist bei dem Wesenstest durchgefallen und als „gesteigert gefährlich“ eingestuft worden. Warum wird sie nicht eingeschläfert?

Die Hundeverordnung sehe vor, dass Hunde nur dann eingeschläfert werden, wenn sie einen Menschen getötet oder ernstlich verletzt haben. Das Opfer muss dann eine schwere körperliche Beeinträchtigung als Folge des Hundeangriffs haben, sagt Claas Michaelis, Sprecher der Stadt. Das sei zum Glück bei beiden Angriffen auf die Grundschüler nicht der Fall gewesen.

Was ist eigentlich konkret passiert?

Der erste Zwischenfall ereignete sich am 10. August gegen 12 Uhr im Glockenbruchweg, Stadtteil Süsterfeld-Helleböhn. Grundschüler von der Fridtjof-Nansen-Schule waren unterwegs zu einem Spielplatz. Der Dobermann-Mischling sprang von einem Grundstück über den Zaun und rannte den Kindern hinterher. Die gerieten in Panik, liefen davon. Dabei biss die Hündin einen Achtjährigen und ließ ihn nicht mehr los. Der Junge musste ins Krankenhaus, drei weitere Mitschüler wurden leichter verletzt.

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Wie geht es den Kindern heute?

Die Kinder, die nichts unmittelbar mit der Attacke zu tun hatten, hätten sich wieder beruhigt, sagt Schulleiterin Claudia Laaber. Der achtjährige Junge, der gebissen wurde, habe allerdings nach wie vor Angst, wenn er schwarze Hunde sehe. „Aber das ist nichts Dramatisches. Dafür, was da war, hat er das gut weggesteckt“, so die Schulleiterin. Die Eltern hätten das Angebot bekommen, mit einem Schulpsychologen Kontakt aufzunehmen.

Nach der Attacke in Süsterfeld-Helleböhn hatte das Ordnungsamt angeordnet, dass die Hündin nur noch mit Maulkorb und an der Leine aus dem Haus darf. Wie konnte es zu dem zweiten Vorfall Ende August auf dem Schulhof der Grundschule Harleshausen kommen?

Die 50-jährige Halterin der Hündin gab an, dass ihr das Tier unbemerkt aus ihrer Wohnung entkommen und direkt auf den Schulhof in der Nachbarschaft gelaufen sei. Dort schnappte die Hündin nach mehreren Kindern, biss diese aber nicht.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Was hat der Sachverständige mit der Hündin beim Wesenstest gemacht und wie hat sie reagiert?

Bei dem Wesenstest habe sich die Hündin zunächst ausgeglichen und unauffällig gezeigt, so Stadtsprecher Michaelis. Sie ließ sich auch anfassen, messen und fotografieren. Dann wurde die Begutachtung in die Fußgängerzone verlegt, wo die Hündin zunächst „im Sitz“ an die Situation herangeführt wurde. In dieser „statischen“ Situation beobachtete die Hündin die Fußgänger und zeigte sich „führig ohne Spannungstendenzen und ohne Auffälligkeiten“.

Problematisch sei es geworden, als die Hündin an der Leine geführt werden sollte. Auf alles, was sich bewegte – egal, ob Fußgänger, Radfahrer oder selbst die Straßenbahn – habe sie mit „massivem Beute- und Verfolgungsverhalten“ reagiert. Insbesondere bei vorbeifahrenden Radfahrern und bei Begegnungen mit Artgenossen war die Hündin kaum noch zu kontrollieren. Aufgrund dieses Verhaltens der Hündin musste der Wesenstest abgebrochen werden. Der Wesenstest gilt somit als nicht bestanden.

Wie wird die Hündin von den Experten jetzt eingeschätzt?

Nach übereinstimmender Einschätzung des Sachverständigen und dem Leiter der Unterbringungsstelle werde es schwierig, die Hündin zu sozialisieren, dies sei aber nicht ausgeschlossen, so der Stadtsprecher. Grundsätzlich resultiere das Verhalten der Hündin aus einem ausgeprägten Jagdinstinkt, dem durch mangelnde oder falsche Erziehung in den vorherigen Haltungen nicht beziehungsweise nicht ausreichend entgegengewirkt wurde.

Wie oft kommt es vor, dass Hunde in der Stadt einen Wesenstest machen müssen?

40 bis 50 Mal pro Jahr, so Michaelis. Darunter fallen aber auch die Listenhunde. In den vergangenen fünf Jahren haben sieben Hunde den Test nicht bestanden.

Welche Hunde sind ungefährlich?

Jeder Hund kann gefährlich werden, sagen Experten - selbst ein Golden Retriever oder Chihuahua. Es kommt darauf an, wie gut ein Hund erzogen wird. Und selbst dann bleibt ein Restrisiko. Aufpassen müssen Halter besonders bei Kindern, warnen Verhaltensforscher. Das ist in den beiden Kasseler Fällen ganz offensichtlich nicht der Fall gewesen.

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